Von Rainer Maier

Blick von der B 173 bei Pirk auf die unvollendete Autobahnbrücke
Blick von der B 173 bei Pirk auf die unvollendete Autobahnbrücke

Hof – In dem von Laubgehölz beschatteten Bächlein lebt eine Tierart, die es schon seit mehr als 200 Millionen Jahren gibt: die Flussperlmuschel. Selbst die einzelnen Tiere werden uralt, 270 Jahre sind keine Seltenheit. 1744, als diese Muscheln Babys waren, herrschte die österreichische Kaiserin Maria Theresia auf dem östlichen Bachufer, Regent der Wiesen im Norden war Sachsens Kurfürst August III., der Sohn von August dem Starken. Und das heute oberfränkische sanfte Hügelland im Westen gehörte – bevor es erst preußisch, dann französisch, dann bayerisch wurde – Markgraf Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth, dessen Frau Wilhelmine sich als Baumeisterin mit Opernhaus und Eremitage unsterblich machte.

"Dreiländereck" steht auf den Schildern, die hierher weisen. Und die Bezeichnung stimmt seit Hunderten von Jahren, auch wenn die jeweiligen Staaten wechselten. Für die Muscheln im Bach hat sich im Laufe der Zeit wenig geändert. Oder doch? In den Jahren 1945 bis 1989 war es in diesem Winkel am Ende der sumpfigen Wiese im Tal stiller als sonst. Mitten im Bach verlief der Eiserne Vorhang, der die kapitalistische von der kommunistischen Welt trennte. Die Länder hießen seinerzeit gerade BRD, DDR und ČSSR. In den Jahren seit 1989 kam es dann zu einer für die Muscheln durchaus bedeutsamen Entwicklung: Die sich einst waffenstarrend gegenüberstehenden Anrainer-Staaten arbeiteten erstmals zusammen, um die mittlerweile bedrohte Tierart zu schützen.

Drei Länder stoßen hier nun, streng genommen, nicht mehr aneinander, denn aus Ost- und Westdeutschland wurde 1990 wieder eins. Heute treffen sich hier, wo Radler und Wanderer über neu errichtete Holzstege die Trennlinie zwischen zwei EU-Mitgliedern überqueren, drei Bundesländer: Bayern, Böhmen und Sachsen.

Rund 75 Kilometer weit soll unsere Reise gehen, entlang einer Linie, die vor 25 Jahren noch zu einer der undurchdringlichsten Grenzen der Welt ausgebaut war und heute in der Landschaft an vielen Stellen kaum noch auszumachen ist. Links davon liegt immer Bayern, rechts davon erst Sachsen, dann Thüringen.

Lutz Damaschke hat die Linie gerade mit seinem Fahrrad überquert. Der 51-Jährige aus dem sächsischen Posseck war mal eben im fränkischen Regnitzlosau, keine fünf Kilometer entfernt auf dem Radweg entlang der gut ausgebauten Staatsstraße 2453. Eine Tour, die er – ohne Rad, aber mit viel Herzklopfen – erstmals im Dezember 1989 gemacht hat, durch ein Loch im Eisernen Vorhang, das sich unvermittelt geöffnet hatte. Ein paar Wochen zuvor war in Berlin die Mauer durchlässig geworden. Seine Welt, das war Lutz Damaschke klar, würde nie mehr dieselbe sein.

Autoschlange auf der B 173 bei Großzöbern
Autoschlange auf der B 173 bei Großzöbern

"Als der Zaun noch war", sagt Damaschke und meint damit den Todesstreifen, "waren wir ja doppelt eingesperrt." Aus dem DDR-Binnenland nach Posseck ging es nur mit Passierschein und mit strengen Kontrollen, von Posseck nach Westen ging gar nichts. Dann plötzlich herrschte reger Grenzverkehr – in beide Richtungen. "Die Regnitzlosauer sind bei uns im Konsum zum Einkaufen gegangen. War ja alles spottbillig. Ein Laib Brot für 99 DDR-Pfennige", erinnert sich Damaschke.

"Die Wendezeit", sagt er weiter, "war die schönste Zeit. Wir wurden im Westen so herzlich empfangen." Nach 25 Jahren ist zwar nach seinem Empfinden der Lack ein bisschen ab vom der brüderlich-schwesterlichen Nähe im Herzen Deutschlands, aber das sei ja auch ganz normal. "Vogtländer oder Franke", resümiert  Damaschke, "das ist doch völlig egal."

In engen Windungen schlängelt sich die Grenze zwischen Sachsen und Bayern nun durch hügeliges Bauernland. Die kleinen Dörfer am Weg sind mit holprigen Sträßchen verbunden, auf denen zwei Autos nur an den gelegentlichen Ausweichstellen aneinander vorbei kommen. Hier ist man – mit oder ohne Grenze – weit weg von allem.

Erst an der Bundesstraße 173 kann der Autofahrer wieder Gas geben. Vor dem Krieg war sie die wichtigste Verbindung zwischen Hof und Plauen. Nach der Wende begann der Verkehr auf der lange abgeschnürten Ader wieder rege zu pulsieren. So dick wie am 12. November 1989 um 10 Uhr wird es aber wohl nie mehr werden. Kilometerweit stauten sich die Trabis im Osten, in Erwartung, dass hier einer der ersten zusätzlichen Straßenübergänge zwischen DDR und BRD eröffnet wird. Ein Sonntagmorgen, den Heinz Strobel aus Ullitz nie vergessen wird.

Er schlief schlecht in dieser Nacht, wachte auf, als es draußen noch dunkel war. Oder besser: hätte sein müssen. "Es war alles hell erleuchtet drüben", sagt er und zeigt in Richtung Blosenberg, das Nachbardorf, damals in der DDR gelegen. Strobel weckte seine Frau Elly: "Du, bestimmt machen die heute die Grenze auf." Elly Strobel nickt und wirkt noch heute aufgeregt bei der Erinnerung: "Von da an war kein Schlafen mehr."

"Pontius und Pilatus" hätten sie angerufen und die Nachricht verbreitet: "Bei uns in Ullitz geht die Grenze auf!" Den Tag verbrachten die Strobels, winkend und weinend, mit Hunderten anderen gerührten Menschen im bläulichen Nebel der Zweitakter-Abgase.

Wie es vorher war, im hintersten Zipfel der westlichen Welt? "Da fragen Sie am besten meine Frau", sagt Heinz Strobel und lacht: "Ich wohne ja erst seit vierzig Jahren hier." Elly Strobel ist geboren in diesem Haus im Dorf Ullitz, Gemeinde Trogen, Kreis Hof. 1939. Ein Kriegskind. In ihren frühesten Erinnerungen gab es hier noch keine Grenze. Doch schon bald kamen "die Russen". Noch heute erschaudert sie, wenn sie an den Tag denkt, als sie mit ihrer Mutter zum Hasenfutter-Rupfen ging und ein Kommandos brüllender Sowjetsoldat sie mit dem Gewehr bedrohte. "Er hat auf meine Mutter gezielt und durchgeladen." Sie waren "auf ostzonales Gebiet" geraten. Vielleicht hatte der Soldat auch beobachtet, dass die Frau mit dem kleinen Mädchen nicht nur das Hasenfutter im Sinn hatte. Sie hatte sich, wie vorher verabredet, mit Bekannten aus Wiedersberg getroffen, denen sie ein paar Salzheringe besorgt hatte. Schließlich durften die "Schmuggler" aber doch ungestraft wieder nach Hause. "Ach, erzählen könnt‘ ich", sagt Elly Strobel und schnauft tief durch.

"Da drüben", sagt sie noch und zeigt auf eine nahe Anhöhe, "da auf dem Blosenberger Hügel hatten die Russen einen Hochstand. Von da aus kann man direkt in die Hofer Radarstation schauen." Nach der Wende nutzte der Funker-Club Oelsnitz den Turm noch jahrelang, dann wurde er wegen Baufälligkeit abgerissen.

Das Unglaubliche
war geschehen

Adelheid Liebetrau,
Erste Kaffeefahrt nach Hof 1989

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Auf der Wiese im Vordergrund wendet Thomas Kätzel das frischgemähte Gras. Er ist gerade mal sechs Jahre älter als die wiedervereinigte Republik. Was hier früher war, weiß er nur aus Erzählungen. "Ich denk‘ da nicht viel dran", sagt er. Mit seinem Heuwender fährt er ganz nah an die Trennlinie heran, die früher auf Geheiß der SED mit Tretminen und Selbstschussanlagen unüberquerbar gemacht worden war. Aus seiner Vorschulzeit drängen manchmal die Bilder ins Jetzt von "Trabis von früh bis nacht" und davon, dass alle so "menschlich bewegt" gewesen seien.

Für ihn selbst war die offene Grenze der Normalfall. Als Jugendlicher und junger Mann sei er mit seinen Kumpels vor allem in den Osten gefahren zum Ausgehen. Nach Rodewisch oder Reichenbach in die Disco, die lagen näher als die Tanztempel in Oberfranken. "Da war immer was los", sagt Kätzel. "Und, na ja, die Mädels drüben waren auch ein bisschen freizügiger als unsere hier."

Etwas weiter nördlich hat sich die A 72 als bayerisch-sächsische Hauptverkehrsachse etabliert. Begonnen 1938, wurde ihr Bau durch den Zweiten Weltkrieg gestoppt. Seit 1940 ruhten die Arbeiten, die 500 Meter lange Steinbogenbrücke über die Weiße Elster bei Pirk blieb Bauruine. Erst nach der Wende wurde sie fertiggestellt, seit Oktober 1992 rollt über sie der Verkehr.

Ein Stückchen in Richtung Autobahn-Dreieck Hochfranken steht noch ein alter Wachturm der DDR-Grenztruppen. Klettersichere Graffiti-Sprüher haben sich hier bunt und weithin sichtbar als Fans des Chemnitzer FC geoutet, dessen größter Erfolg 1967 der Gewinn der deutschen Fußballkrone war. Damals freilich noch als FC Karl-Marx-Stadt und als Meister "nur" der DDR-Oberliga.

Laster um Laster, Auto um Auto fährt daran tagtäglich vorbei. Bis zur Wende nutzten junge Leute im Westen die hier im  Nichts endende Piste, um mit Vollgas in der Töpener Senke mal auszuprobieren, wie schnell Papas Mercedes läuft. Andere Autos? Weit und breit Fehlanzeige.

Was die innerdeutsche Grenze vor 25 Jahren bedeutete, kann man bis heute in Mödlareuth nicht nur sehen, sondern auch selbst erfühlen, denn hier steht im Deutsch-Deutschen Museum noch ein Stück der Mauer, die das Dorf mit einer bayerischen und einer thüringischen Hälfte durchzogen hat. Fast vierzig Jahre lang gab es kein Hinüber- oder Herüberkommen. Weil Mödlareuth das Schicksal der Hauptstadt im Kleinen teilte, erhielt es schnell den Beinamen "Little Berlin". Das Dorf war im Kalten Krieg Touristen-Attraktion, unter anderem war der damalige US-Vizepräsident George Bush (der Senior) hier.

Und Mödlareuth ist nach der Wende Touristen-Attraktion geblieben. Ein bisschen Geschichts-Grusel für Ausländer und Spätgeborene. Ein paar Selfies vor Wachturm und Stacheldraht-Sperren. Kinder dürfen auf den alten sowjetischen Panzer klettern, der den Parkplatz mit den Reisebussen mit seiner rostigen Kanone zu bewachen scheint. Immerhin: Alles echt und authentisch aufbereitet. Kein Todesstreifen-Disneyland, sondern für die Nachwelt eingefrorene deutsch-deutsche Geschichte. Sehenswert. Auch für Einheimische.

Nicht mehr weit ist es nun nach Töpen-Juchhöh an der wieder durchgängigen Bundesstraße 2. In den ersten Monaten nach der Grenzöffnung war auch diese Strecke so eine "Straße der Freiheit", also ein chronisch verstopfter Trabi- und Wartburg-Trichter nach Westen. Und dann kommt man schon an die Sächsische Saale, die viel durch Bayern, Thüringen und Sachsen-Anhalt fließt, aber keinen Meter durch Sachsen. Die Saale war Grenzfluss seit Generationen. Sie ist es bis heute – zwischen den Freistaaten Bayern und Thüringen – geblieben.

Windräder prägen hier mittlerweile das Landschaftsbild, die Wachtürme sind verschwunden. Es ist so vieles anders jetzt, schon allein optisch. Erika Popp in Untertiefengrün zeigt ein paar alte Schwarzweiß-Bilder vom Wiederaufbau der Brücke über die Saale hinüber nach Hirschberg. In den letzten Kriegstagen von den Deutschen auf dem Rückzug gesprengt, stand sie als Mahnmal und Ruine hier, mit Pfeilern im Osten und im Westen, aber ohne Verbindung zwischen ihnen.

Erika Popp hat von ihrem Fenster aus, sie wohnt im letzten Haus vor der Grenze, nach der Wende den Brückenbau beobachtet. Tag und Nacht. Ohne Pause. Aber als die Verbindung nach Thüringen dann eröffnet wurde, war sie nicht zu Hause. "Ich musste in die Firma. Inventur." Der 30. Dezember 1989 war der Tag, an dem Untertiefengrün in Bayern und Hirschberg in Thüringen wieder zusammenwuchsen. "Wir kamen gegen Mittag dazu", erinnert sich Popp. "Da war tüchtig was los. Ein großes Fest. Und all die Tränen." Wildfremde Menschen lagen sich in den Armen. "Das sind Bilder, die man nie vergisst", sagt die Frau und hält kurz bei der Gartenarbeit inne.

Die entfernte Verwandtschaft im nahen Remptendorf, die sie vor dem Fall des Eisernen Vorhangs im Kleinen Grenzverkehr regelmäßig besuchte, trifft sie jetzt trotz Wiedervereinigung eher seltener. "Aber wir telefonieren oft", sagt Erika Popp. Eine "bewegende Zeit" seien die Wochen und Monate nach der Grenzöffnung gewesen. Stetig veränderte sich der Blick aus Popps Fenster hinüber nach Hirschberg. Erst kam die neue Brücke hinzu, dann verschwand die riesige alte Lederfabrik. Nur das Verwaltungsgebäude blieb stehen, es beherbergt heute ein Museum. In Erika Popps Erinnerung an Vorwende-Zeiten leuchtet auf dem Fabrikdach ein roter Stern. "Den haben sie immer eingeschaltet, wenn sie ihr Plan-Soll für einen bestimmten Monat erfüllt hatten." Damals, sagt die Frau nachdenklich, "hatten drüben alle Arbeit".

Auf der Weiterfahrt zur Autobahn A9: Transparente an den Gartenzäunen, die protestieren "Gleichstromtrasse Nein!". Daneben ein Konzertplakat: "De Randfichten" aus dem Erzgebirge kommen und wollen fränkische Volksmusik-Fans nach Plauen locken. Am thüringischen Ende der Saaletal-Brücke dann begrüßen Goethe und Schiller auf einer großen Tafel die heranbrausenden Gäste. Vor der Wende stand ein hundert Meter von diesem Platz entfernt die mahnende Erinnerung: "Sie fahren weiter durch Deutschland!"

Auf der Brücke wurde am 5. August 1976 der italienische Lastwagenfahrer Benito Corghi erschossen. Der 38-Jährige ist bereits aus der DDR ausgereist, als er in Rudolphstein merkt, dass er Transportpapiere am ostdeutschen Kontrollpunkt Hirschberg hatte liegen lassen. Zu Fuß geht er zurück über die Brücke. Als ihn ein Grenzposten mit Maschinengewehr im Anschlag anruft, bekommt er es mit der Angst, rennt zurück nach Westen. Mitten auf der Brücke fällt der tödliche Schuss aus der Waffe des zwanzigjährigen Grenztruppen-Gefreiten. Der Schütze wurde 1994 freigesprochen, seelisch verkraftet hat er seine Tat nie. Auch er wurde so zum Opfer der Unmenschlichkeit an dieser Grenze.

Wo früher ein Wald aus Peitschenlampen die Nacht zum Tag machte, wo man auf der Fahrt nach Berlin, wenn man Pech hatte, an der DDR-Kontrollstelle für 500 Meter fast ebenso lang brauchte wie für die 300 restlichen Kilometer, da lädt heute eine übermannsgroße Plastik-Kuh zum Verweilen im Rasthof der schweizerischen Marché-Kette ein. 97 Standorte in zwölf Ländern, ein Stück Weltoffenheit im selben Gebäude, in dem vor 25 Jahren die Abschottung von der Außenwelt überwacht wurde. Ein paar fleckige alte Zeitungsseiten, zum Wasseraufsaugen unter die Fußmatte gelegt und dort vergessen, gerieten zum "Schmuggel von imperialistischer Propaganda". Die Grenzanlagen in Hirschberg waren ein Ort der Angst.

Heute leuchten farbenfrohe Bilder einer Toskana-Landschaft von den Wänden, nur in einem Seitenraum wird an die Vergangenheit erinnert, allerdings an die positiven Momente: Auf großformatigen Fotos sieht man Trabi- und Wartburg-Schlangen, die durch ein Spalier winkender Menschen gen Westen kriechen. Weiter hinten, am Eingang zu den Personalräumen, hängen Bilder von der "Heuernte 1913" und vom "Backofen Titschendorf 1931". 1913, 1931, 1989: Für die Gäste ist das alles weit zurückliegende Vergangenheit. "Was hier früher einmal war", sagt Helge Wieduwilt, "darauf werden wir eigentlich nie angesprochen." Die 38-jährige Schleizerin ist seit der Eröffnung 1996 im Rasthof-Restaurant tätig. Auch sie verschwendet kaum einen Gedanken an das "Früher".

In engen Schleifen windet sich die Saale durch ihr Tal nach Westen. Von der Panoramastraße hat man herrliche Ausblicke auf die herbstliche Landschaft. Auf jedem Foto von hier oben sind beide Bundesländer drauf: Thüringen und Bayern. Die Felder, die bewaldeten Hügel gleichen sich hüben wie drüben. Das einzig trennende Bauwerk am Weg ist die Lärmschutzwand an der A9 neben dem Brückenrestaurant "Frankenwald".

Die Kreisstraße HO 8 folgt jetzt der Saale im Tal, die bald die aus dem wildromantischen Höllental kommende Selbitz aufnimmt. Hier bei Unterwolfstein war ein klassischer Punkt für den westdeutschen Blick nach "drüben". Imposant ragt hinter der Saale die Zellstoff- und Papierfabrik Rosenthal auf, damals natürlich VEB, volkseigener Betrieb. Wo früher Metallgitter das Durchschwimmen des Grenzflusses verhinderten, führt heute eine Fußgängerbrücke hinüber nach Thüringen.

Christiane Völkel aus Blankenstein geht hier mit ihrer Schäferhündin "Bine" Gassi, auch gerne mal über den Steg hinüber nach Bayern. Heute schaut sie sich das neue  Wanderdrehkreuz an, das der Frankenwaldverein hier errichtet hat. An diesem Punkt beginnen der Rennsteig und der Frankenweg, der Kammweg und der Fränkische Gebirgsweg. "Von April bis Mitte Oktober ist hier ziemlich viel los", berichtet Christiane Völkel, die mit ihrem Mann Karl im ersten Wohnhaus auf thüringischem Gebiet lebt. Oder, bis 1989, im letzten Haus auf sozialistischem Terrain. "Die Grenze war eben da. Man kannte es nicht anders."

Während "Bine" argwöhnisch die Katzen des Nachbarn beobachtet, baumeln an den Ästen eines Baumes am östlichen Selbitzufer abgetragene Wanderstiefel im Wind. Am Endpunkt von Hunderte Kilometer langen Wegen haben sie ausgedient. Doch man könnte heute von hier aus auch weitergehen, ungehindert von Grenzen.  In alle Himmelsrichtungen. Der Stiefel-Baum steht mitten in Deutschland.